Die Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK) ist ein Zusammenschluss von autistischen Menschen und Autismus-Wissenschaftlern der Humboldt-Universität zu Berlin.

AFK

Ziele

Ziel der AFK ist, erstmalig aus der Perspektive autistischer Menschen für sie relevante Fragen gemeinsam mit Wissenschaftlern zu erforschen.

Menschen mit Autismus und Asperger Syndrom entscheiden im Rahmen der AFK selbst, welche Forschungsfragen es wert sind, gestellt zu werden. Überdies sind sie aktiv in die Planung, Durchführung und Auswertung von Forschungsprojekten involviert. Durch das Verfassen von Forschungsschriften und Konferenzbeiträgen sowie von Informationsmaterial für die Öffentlichkeit hoffen wir, langfristig einen Beitrag zur Steigerung der Lebensqualität von autistischen Menschen leisten zu können. Außerdem bieten wir Beratung für andere Forschungsgruppen an, die Studien mit Menschen mit Autismus durchführen möchten.

Geschichte

Obwohl Eltern von Kindern mit Autismus in den letzten Jahren eine aktivere Rolle in der Öffentlichkeit und Forschung zum Thema Autismus eingenommen haben, existierten bis vor kurzem in Deutschland keine Kooperationen zwischen erwachsenen Menschen mit Autismus und der Forschergemeinde. Daher haben Erwachsene im Autismus-Spektrum wissenschaftliche Forschungsbemühungen oft nicht als ihre Interessen widerspiegelnd empfunden und diesen gegenüber manchmal eine ablehnende Haltung eingenommen.
Die AFK hat diese Bedenken aufgegriffen und im Jahr 2007 begonnen, wissenschaftliche Fragestellungen in Form einer Kooperation zwischen Autisten und Forschern zu erarbeiten. Dabei sollten Fragestellungen im Vordergrund stehen, die Autisten in ihrer Lebenswirklichkeit reflektieren.

In rein ehrenamtlicher Forschungsarbeit – gelegentlich durch Förderpreise und Spenden unterstützt – konnten bereits zahlreiche Forschungsprojekte erfolgreich in die Tat umgesetzt werden:

Die erste Studie der AFK erforschte Wissen und Vorurteile über Autismus bei Berliner Jobcenter-Mitarbeiter*innen.
2010 untersuchte die AFK das Wissen über Autismus und das Ausmaß negativer Bewertung autismustypischer Verhaltensweisen bei Allgemeinmedizinern.

Ebenfalls 2010 entstand der Kurzfilm „Wissen schaffen“, in dem Videoaufnahmen der AFK-Aktivitäten der ersten 2 Jahre und kurze Interviews einen Einblick in unsere Arbeit geben. Für gemeinnützige Vorführungen können Sie eine Kopie des Films von uns erhalten. Wir empfehlen eine Spende von 20 €. Schreiben Sie uns an!

2011 beschäftigte die AFK sich mit der Frage, ob Lehrer*innen genug über Autismus wissen, um auf die besonderen Bedürfnisse ihrer Schüler*innen im Autismusspektrum eingehen zu können.
2012 stand das „Flow-Erleben“ von Autisten im Zusammenhang mit Spezialinteressen, also dem mühelosen Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit über längere Zeiträume, im Fokus der Forschungsgruppe.
2015 untersuchte die AFK die Erfahrungen und Bedürfnisse von Menschen im Autismus-Spektrum bezüglich ambulanter Psychotherapie, z. B. in Bezug auf die Gegebenheiten am Behandlungsort oder die Qualifikation der Therapeuten, sowie die Zufriedenheit mit bereits erhaltener Psychotherapie in einer großen deutschlandweiten Online-Befragung.
2017 führte die AFK eine bundesweite Befragung von ambulant arbeitenden Psychotherapeuten durch. Es wurde z. B. erfragt, wie viel Erfahrung Therapeuten in Deutschland mit autistischen Patienten haben, wie sie ihren Wissensstand und ihre eigene Kompetenz bezüglich der Behandlung von Menschen im Autismus-Spektrum einschätzen und in welchem Maß Interesse an Fortbildungen zu diesem Thema besteht.

Im Rahmen all dieser Projekte wurden gemeinsam umfangreiche Fragebögen erstellt, deutschlandweit Zielgruppen identifiziert, Teilnehmer rekrutiert und die erhobenen Daten gemeinsam ausgewertet. Die Ergebnisse werden regelmäßig auf Fachtagungen wie der Wissenschaftlichen Tagung Autismus-Spektrum (WTAS) oder dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Fachvorträgen vorgestellt und diskutiert.

Unsere Studienergebnisse werden zusätzlich in Form von Informations-Flyern für die jeweiligen Zielgruppen (z. B. Hausärzte, Lehrer, Psychotherapeuten) aufbereitet und an Interessierte in ganz Deutschland weitergegeben. Sie können sich auch jederzeit unsere Flyer (unter Informationsmaterial) herunterladen!
Weitere Projekte, wie z. B. eine Studie zu den Wirkmechanismen von Selbsthilfegruppen, sind in Arbeit.