WISSEN UND VORURTEILE ÜBER AUTISMUS IM JOBCENTER:
EINE ERSTE STUDIE DER AUTISMUS-FORSCHUNGS-KOOPERATION (AFK)


Jennifer Kirchner1,2, Christoph Chwiekowsky2, Sebastian Dern2, Rainer Döhle2, Robert Elias2, Ernest Götz2, Peter Gottschlich2, N. Grambert2, Fee Hoppmann1,2, Dorit Kliemann1,2, Uwe Krey2, Fabian Melzow2, Steven Purwins2, Silke Schulz2, Maike Vahrenkamp2, Ingo Wolf1,2, Isabel Dziobek1,2

1Max-Planck-Institut für Bildungsforschung Berlin
2Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK) Berlin



Hintergrund: Die Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK) ist ein Zusammenschluss von Menschen aus dem autistischen Spektrum und Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin. Ziel der AFK ist die gemeinsame Durchführung von Forschungsstudien, die für autistische Erwachsene relevante Fragestellungen beantworten sollen. Basierend auf negativen Erfahrungen bei Beratung und Vermittlung, wurde als erstes Projekt der AFK eine Befragung zum Thema Autismus in Berliner Jobcentern durchgeführt.

Fragestellung: Ziel der vorliegenden Studie war die Untersuchung von vorhandenem Wissen über Autismus und speziellen Persönlichkeitseigenschaften von Mitarbeitern in Berliner Jobcentern. Des Weiteren sollte das Ausmaß negativer Bewertung von autismus-typischen Verhaltensweisen untersucht werden.

Methode: Ein neuer Fragebogen wurde entwickelt, um 1. das Wissen über Autismus (Diagnosekriterien, Vorurteile, Stärken), 2. Persönlichkeitseigenschaften (Toleranz, Empathie, Bereitschaft zur Veränderung) und 3. die Bewertung autismus-typischer Verhaltensweisen (z.B. von geringem Augenkontakt, motorischer Unruhe) zu ermitteln. Der Fragebogen wurde von 57 Mitarbeitern der Berliner Jobcenter Marzahn-Hellersdorf und Charlottenburg-Wilmersdorf ausgefüllt. Außerdem wurde er von 20 Autismus-Experten (Psychologen und Psychiater aus Uni-Kliniken/Autismus-Therapiezentren in Deutschland und Schweiz) ausgefüllt, die als Vergleichsgruppe dienten.

Ergebnisse: Die Jobcenter-Mitarbeiter wußten signifikant weniger über Autimus als die Autismus-Experten (alle p < 0.05). Dagegen zeigten sich keine signifikanten Gruppenunterschiede bezüglich der Persönlichkeitseigenschaften (alle p > 0.15). Signifikant war jedoch der Unterschied in der Berwertung autismus-typischer Verhaltensweisen, welche von den Jobcenter-Mitarbeitern als negativer bewertet wurden (p = 0.04).

Diskussion & Schlussfolgerung:
Mitarbeiter von Berliner Jobcentern wissen noch zu wenig über das Thema Autismus. Dabei ist ein fundiertes Wissen über das Profil der Schwächen und Stärken von Menschen mit Autismus essentiell für eine erfolgreiche Berufsberatung und Arbeitsvermittlung. Autistische Verhaltensweisen werden von Jobcenter-Mitarbeitern negativer bewertet als von Autismus-Experten, obwohl sie über genau so viel Toleranz, Empathie und Bereitschaft zur Veränderung berichten wie die Vergleichsgruppe. Mittelfristiges Ziel der AFK ist die Vermittlung von mehr Wissen über Autismus in Jobcentern, das langfristig zu weniger negativer Bewertung von - und optimiertem Service für autistische Menschen führen soll.


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Kontaktadresse:

Für die AFK: Isabel Dziobek, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!