WISSEN UND UNWISSEN ÜBER AUTISMUS BEI DEUTSCHEN ALLGEMEINMEDIZINERN

Jennifer Kirchner1,2, Sara Appelmann2, Christoph Chwiekowsky2, Sebastian Dern2, Rainer Döhle2, Robert Elias2, Ernest Götz2, Peter Gottschlich2, C. Grambert2, Dorit Kliemann1,2, Fabian Melzow2, Oliver Speer2, Steven Purwins2, Isabel Dziobek1,2

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Freie Universität Berlin
2 Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK) Berlin



Hintergrund:
Die Autismus-Forschungs-Kooperation (AFK) ist ein Zusammenschluss von Menschen aus dem autistischen Spektrum und Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin. Ziel der AFK ist die gemeinsame Durchführung von Forschungsstudien, die für autistische Erwachsene relevante Fragestellungen beantworten sollen.

Fragestellung: Basierend auf negativen Erfahrungen von autistischen Erwachsenen in der hausärztlichen Versorgung, wurden Allgemeinmediziner zu ihrem Wissen über Autismus befragt.

Methode:
Durch den Fragebogen “Wissen über Autismus” (Kirchner et al., 2008) wurde das Wissen über Autismus (Diagnosekriterien, Vorurteile, Stärken) ermittelt. Der Fragebogen wurde von 34 Allgemeinmedizinern auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (Berlin, 26.09.2008) ausgefüllt. Weiterhin haben als Vergleichsgruppe 20 Autismus-Experten (Psychologen und Psychiater aus Uni-Kliniken/Autismus-Therapiezentren in Deutschland und der Schweiz) den Fragebogen ausgefüllt. Im Rahmen einer Straßenbefragung wurde der Fragebogen außerdem von 48 Personen aus der Allgemeinbevölkerung beantwortet.


Ergebnisse: Allgemeinmediziner unterschieden sich in ihrem Wissen über die Diagnosekriterien von Autismus und die Stärken autistischer Menschen nicht von der Allgemeinbevölkerung (beide p > 0.14). Im Gegensatz dazu verfügen Autismus-Experten in diesen Bereichen über ein signifikant höheres Wissen (beide p < 0.05). Auch wird die Prävalenz von Autismus von Allgemeinmedizinern im Vergleich zu Experten deutlich unterschätzt (p < 0.01).

Diskussion & Schlussfolgerung:
Allgemeinmediziner wissen nicht mehr über Autismus als die Allgemeinbevölkerung. Da sie aber in der Regel die ersten Ansprechpartner für autistische Menschen bei körperlichen und psychischen Problemen sind, ist folglich eine bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung nicht gewährleistet. Auch eine zeitige Überweisung zum Facharzt wird durch mangelndes Wissen über die Diagnose Autismus erschwert.
Durch eine Rückmeldung der Studienergebnisse an die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin erhofft sich die AFK, dass Hausärzte für die Häufigkeit von Autismus und die Bedürfnisse ihrer autistischen Patienten sensibilisiert werden.

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Interessenkonflikte:
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Kontaktadresse:

Für die AFK: Isabel Dziobek, Freie Universität Berlin,
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; 030 838 56472